FOLGE 1 VON 8: LOHN UND GEHALT

Die Vielfalt der Berufe im Facility Management entzieht der Vorverurteilung als Niedriglohnsektor die Grundlage

Lange arbeiten, wenig verdienen – die ö­ffentliche Wahrnehmung der Gebäudemanager prägen noch immer Bilder aus der Vergangenheit. Doch es hat sich ein grundlegender Wandel in der Branche vollzogen. Die Immobilienbewirtschaftung wird stets anspruchsvoller. Das verlangt umfassende Fähigkeiten von immer mehr Beschäftigten im täglichen Betrieb. Das verbreitete Bild der schlecht bezahlten Putzkolonnen und gelassen über die Flure schleichenden Hausmeister entspricht nicht der Wirklichkeit.

Es gibt Momente, da ist Facility Management nur schwer greifbar. Vor allem, wenn versucht wird, die Branche auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Außenstehende wie einst zum Beispiel das Bundesministerium für Bildung und Forschung beklagen dann gern ein di­ffuses Bild, welches die Branche abgebe. Doch auch die Branchenakteure selbst fassen die Begrenzung ihres Marktes sehr weit.

Verbreitet ist die allgemeine Definition, dass es sich beim Facility Management um eine übergreifende Managementaufgabe sämtlicher Leistungen und Sekundärprozesse handelt, die zur Bewirtschaftung einer Immobilie erforderlich sind. Diese Umschreibung lässt vieles zu – auch eine teilweise babylonisch anmutende Begri­ffsverwirrung, die nur schwer aufzulösen ist.

Dieses nicht immer hilfreiche Phänomen ist jedoch einem besonderen Umstand geschuldet: Der Branche werden zahlreiche, teilweise völlig unterschiedliche Tätigkeitsfelder zugeordnet, die im engeren wie auch im weitesten Sinne etwas mit der Bewirtschaftung von Gebäuden zu tun haben. Das lässt wiederum eine ungewöhnliche Bandbreite an Ausbildungsstandards und in der Entlohnung zu.

Ein belastbarer Vergleichsmaßstab aus der Branche weist 28 Berufsbilder auf, für die Stundensätze ermittelt werden. Sortiert man diese grob auf einer Gehaltsskala, fängt sie unten an mit vermeintlich einfachen Tätigkeiten wie der Gebäudereinigung und der Objektbewachung, die auch branchenübergreifend vergleichsweise gering bezahlt werden und der Gesamtbranche ihren Ruf als Niedriglohnsektor überhaupt erst eingebracht haben. Im Mittelfeld folgen dann ausgebildete Handwerker wie Heizungsbauer, Elektroinstallateure und Landschaftsgärtner, für die von Facility-Management-Unternehmen schon ein deutlich höherer Stundensatz verlangt werden kann. Ganz oben auf der Gehaltsskala liegen studierte Fachingenieure für Haustechnik und Software. Dort wird auch ein viermal höherer durchschnittlicher Stundensatz verlangt als am unteren Ende. Facility Management einfach in die Schublade „Niedriglohnsektor“ zu werfen, ist vor diesem Hintergrund mehr als gewagt – es ist schlicht nicht zulässig.

Grundsätzlich wird im Facility Management zwischen technischem, infrastrukturellem und kaufmännischem Facility Management unterschieden. Unter dem technischen Teil werden die Leistungen gebündelt, die mit dem Betrieb eines Gebäudes im Zusammenhang stehen. Dazu gehören zum Beispiel der Umgang mit der vorhandenen Gebäudetechnik, die Instandhaltung und Wartung der Anlagen, die für einen reibungslosen Betrieb des Objekts und damit letztlich für zufriedene Mieter sorgen. Im infrastrukturellen Teil werden klassische Dienstleistungsaufgaben wie etwa die Reinigungs- und Hausmeisterdienste, die Objektbewachung und das Catering zusammengefasst. Der kaufmännische Teil wiederum bündelt unterstützende Tätigkeiten wie zum Beispiel das Bescha­ffungsmanagement, die Objektbuchhaltung, die Flächen- und Kostenplanung sowie die Betriebskostenoptimierung.

Je anspruchsvoller die Fertigkeiten,
die von einem Mitarbeiter verlangt
werden, umso höher ist der Lohn,
der ihm gezahlt wird.

Die Zuordnung der im Facility Management anfallenden Aufgaben zu diesen drei Säulen hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Je mehr sie auch außerhalb der Branche wahrgenommen wird, umso mehr wird den beliebten, aber nicht mehr zeitgemäßen Vorurteilen die Grundlage entzogen. Dass das Schlagwort vom Niedriglohnsektor trotzdem in unregelmäßigen Abständen immer wieder die Runde macht, liegt vor allem an politischen Debatten mit ihrem Hang zur Vereinfachung. Dies war etwa in der Diskussion um den Mindestlohn vor fünf Jahren zu beobachten. Dabei wurden gern die schwarzen Schafe der Branche ins Licht der Ö­ffentlichkeit gezerrt, die unzumutbare Arbeitsbedingungen mit einer unzumutbaren Bezahlung ihrer Mitarbeiter verbanden. Doch wurde gleichzeitig deutlich, dass es sich um sehr kleine Marktakteure handelte. Außenseiter, die mit diesen unlauteren Methoden versuchten, sich gegen den Wettbewerbsdruck und die laufende Konsolidierung in der Branche zu stemmen. Im Juli 2007 wurde dann tatsächlich das Gebäudereiniger-Handwerk in das sogenannte Entsendegesetz aufgenommen, was die Voraussetzung für die Einführung eines branchenweiten Mindestlohns ist. Unter den meisten Branchenakteuren stieß dieses Vorgehen letztlich auf Akzeptanz, weil es im Preiswettbewerb eine Linie nach unten zieht und damit das für das ö­ffentliche Ansehen so schädliche Lohndumping eindämmt. Zwei Jahre später kamen noch Mindestlöhne für das Bewachungsgewerbe hinzu.

Seither besteht die Möglichkeit, den Blick vom unteren Ende der Lohnskala in der Branche höher schweifen zu lassen – eben auf die anspruchsvollen Tätigkeiten von gut ausgebildeten Handwerkern und studierten Fachingenieuren. Der sich ausweitende Abstand im Gehaltsgefüge macht deutlich: Je anspruchsvoller die Fertigkeiten, die von einem Mitarbeiter verlangt werden, umso höher ist der Lohn, der ihm gezahlt wird. Da funktioniert das Facility Management wie jede andere Branche auch.

Ohne professionelles Facility Management kommen heute weder das öffentliche Leben noch unsere hoch entwickelte Industrie aus. „FM – Die Möglichmacher“, eine Initiative von 13 führenden Facility-Management-Anbietern und dem Branchenverband GEFMA, stellt in dieser Serie Branchenthemen und Vorteile eines intelligenten Facility Managements dar.