Stefan Trägler, Landesbank Berlin: „Wir können es uns gar nicht leisten, den Überblick zu verlieren“

Stefan Trägler steuert für die Landesbank Berlin unter anderem externe Facility-Management-Dienstleister. Fehler darf er sich nicht erlauben – denn seine Arbeit liegt stark im Fokus der Finanzaufsicht.

Seit 30 Jahren ist Stefan Trägler für die Landesbank Berlin (LBB) beziehungsweise ihre Vorgängerinstitute tätig. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehört die Steuerung von Dienstleistern und damit auch die Steuerung der externen Facility-Management-Spezialisten. Kaum ein anderer in der deutschen Finanzbranche kann einen vergleichbaren Erfahrungsschatz im Umgang mit diesen Unternehmen vorweisen. Die LBB begann schon 2004 als eine der ersten deutschen Banken, die technische Gebäudebewirtschaftung an externe Dienstleister auszulagern.

Was macht erfolgreiches Facility Management in einem Finanzkonzern aus?

Die Prozesse müssen klar sein und die Personen verlässlich. Da unterscheiden sich die Anforderungen einer Bank an ihren Facility-Management-Dienstleister nicht von denen eines Unternehmens aus dem verarbeitenden Gewerbe. Der verantwortliche Gebäudetechniker muss jeden Winkel seines Gebäudes unbedingt kennen. Dann kann etwa bei einer Havarie gleich an der richtigen Stelle mit den richtigen Maßnahmen eingegriffen werden.

Ist es schwer, in der Auftragsvergabe den Überblick zu behalten?

Die Dienstleistungssteuerung liegt stark im Fokus der Finanzaufsicht. Insofern können wir es uns gar nicht leisten, den Überblick zu verlieren. Wir haben da einen klaren und funktionierenden Prozess. Die Aufträge an das Facility Management werden über Leistungsscheine vergeben. Auf deren Basis erfolgt dann auch die Kontrolle. Das ist aufwendig, bestätigt aber immer wieder die Ordnungsmäßigkeit.

Vermissen Sie manchmal den schönen alten Begriff Hausmeister?

Ob nun Hausmeister oder Facility Manager – ich glaube, aus unserer Sicht als Auftraggeber trifft das Wort Kümmerer die Erwartungshaltung an die jeweilige Person am besten.

Die Branche wird immer noch oft als Niedriglohnsektor vorverurteilt. Dabei ist die Immobilienbewirtschaftung immer anspruchsvoller geworden und verlangt zunehmend umfassende Fähigkeiten von immer mehr Beschäftigten im täglichen Betrieb. Wann ist die undifferenzierte Vorverurteilung endlich aus der Welt geschafft?

Facility Management nur auf Bewachung und Reinigung zu reduzieren, ist längst nicht mehr zeitgemäß  Der laufende Betrieb der Gebäudetechnik ist heutzutage Hochtechnologie und eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Die moderne Technik verlangt Spezialisten. Wir als Bank können nicht die dafür notwendigen teuren Fachleute vorhalten. Deshalb lagern wir diese Aufgabe aus. Es ist die Aufgabe des Facility-Management- Unternehmens, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und einzustellen. Junge Ingenieure mit Begeisterung für diese Aufgabe finden Sie nicht im Niedriglohnsektor.

Welche Rolle wird die technische Gebäudebewirtschaftung in Zukunft spielen?

Weil eben die Gebäudetechnik immer komplexer wird, öffnet sich an dieser Stelle ein Wachstumsmarkt für gut aufgestellte Facility-Management-Dienstleister. Immer mehr Unternehmen werden sich wie wir auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und andere Aufgaben auslagern. Den externen technischen Gebäudebewirtschaftern erwächst daraus eine immer größere Verantwortung.