Thomas Quiram und Alexander Thomas, Bezirk Oberbayern: „Die Strukturen müssen sich entwickeln, wir können hier etwas aufbauen“

Thomas Quiram und Alexander Thomas stehen noch am Anfang einer Reihe von Optimierungsprozessen – einer Arbeit, die letztlich auch dem Steuerzahler etwas bringt.

Thomas Quiram ist gelernter Verwaltungsfachwirt und kam in der Münchener Behörde nach eigenen Worten als Quereinsteiger zum Facility Management. Er leitet das Arbeitsgebiet Liegenschaften. Auch Alexander Thomas’ Weg führte nicht direkt zur Gebäudebewirtschaftung. Er studierte zunächst Architektur und wurde dann Fachwirt Facility Management, arbeitete sich in der Bezirksverwaltung in den vergangenen Jahren immer tiefer in das Thema ein. Gemeinsam stellen sie sich der Aufgabe, eine einheitliche Struktur für modernes Facility Management in der Behörde einzuführen.

In der kommunalen Selbstverwaltung in Bayern sind die Bezirke nach den Gemeinden und Landkreisen beziehungsweise kreisfreien Städten die dritte Ebene. Was macht ein modernes Facility Management in einer kommunalen Gebietskörperschaft aus?

Quiram: Wir sind noch relativ am Anfang im Facility Management. Dabei müssen wir uns von gängigen Strukturen  lösen, die Abläufe  sortieren und analysieren. Das lässt sich nicht von oben herab einführen, sondern nur aus Organisationseinheiten heraus. Das muss sich entwickeln.
Thomas: Wir versuchen, ein einheitliches Verständnis für die Nutzung und den Betrieb der Gebäude zu schaffen.

Sie müssen so unterschiedliche Objekte wie Kliniken, Schulen oder Museen in der Bewirtschaftung unter einen Hut bekommen. Ist das eher eine Lust oder eine Last?

Quiram: Eher eine Lust. Denn wir haben die Möglichkeit, kreativ an etwas heranzugehen und uns einzubringen. Unser Portfolio ist nicht sehr typisch für die Branche. Wir haben zum Beispiel auch ein Theater. So etwas zu steuern macht natürlich besonders viel Spaß - das Sahnehäubchen im Alltag. Und im Zweifel sind wir auch nicht alleine sondern greifen auf externe Dienstleister zurück.
Thomas: Im Rahmen der steigenden Anforderungen an Vorschriften und Richtlinien müssen wir die Betreiberverantwortung in eine greifbare Form bringen. Wir nutzen da die Vorschläge des Deutschen Verbandes für Facility Management (GEFMA), um uns zu organisieren. Es gilt, den Spagat zu meistern zwischen der gebotenen Sicherheit und einer bürgernahen Verwaltung, die sich nicht hinter verschlossenen Türen verstecken will. Es ist eine echte Herausforderung, das gewachsene Selbstverständnis der einzelnen Organisationeinheiten in eine einheitliche Struktur für modernes Facility Management umzuwandeln.

Wie hat sich Ihr Aufgabenfeld in den vergangenen Jahren gewandelt?

Thomas: Durch meinen beruflichen Hintergrund kenne ich beide Seiten – das Bauen und das Betreiben. Wir müssen schauen, wie das zueinander findet. Wir Nutzer müssen an Bauprozessen viel stärker beteiligt werden. Da sind wir schon ein gutes Stück weiter gekommen.
Quiram: Wir haben uns auch softwaretechnisch weiterentwickelt. Zum Beispiel ein Qualitätssicherungsprogramm eingeführt, das auch als Dokumentationswerkzeug im infrastrukturellen Bereich eingesetzt wird. Wir achten auf einen wirtschaftlichen und ökologischen Betrieb, der auf den Lebenszyklus der Anlagen ausgerichtet ist.

Im Facility Management herrscht ein Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Die Wahrnehmung der Branche unter Berufseinsteigern und Studenten läuft der tatsächlichen Entwicklung weit hinterher. Wie lässt sich dieses Problem in absehbarer Zeit aus der Welt schaffen?

Thomas: Man muss sich klar machen, wie komplex unsere Themen sind, welch unterschiedliche Fachrichtungen gefordert sind. Das Berufsbild muss klarer definiert werden.
Quiram: Die Tragweite des Facility Managements muss öffentlich eine viel bessere Wahrnehmung finden. Kampagnen wie „Die Möglichmacher“ sollten deshalb verstärkt betrieben werden.

Welche Rolle wird die technische Gebäudebewirtschaftung in Zukunft spielen?

Quiram: Neue Anlagen werden komplexer und filigraner. Die Geräte brauchen – salopp gesagt – mehr Zuwendung.
Thomas: Neue Technik hilft, die Bewirtschaftung wirtschaftlicher zu gestalten, schneller zu reagieren und Geld zu sparen. Das bringt auch dem Steuerzahler etwas.