Christian Schlicht, Würth (Künzelsau): „Ich bin gleichzeitig Asset Manager und Problemlöser für Mitarbeiter“

Christian Schlicht ist für das Immobilien und Facility Management des Niederlassungsnetzes bei Würth, dem größten Händler von Montagematerial in Deutschland, verantwortlich – und die Firma expandiert Jahr für Jahr.

In der andauernden Expansion des Marktführers im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial spielt Christian Schlicht eine Schlüsselrolle. Das Niederlassungsnetz der Firma Würth hat bundesweit mehr als 400 Verkaufsniederlassungen und soll deutlich anwachsen. Zu den Aufgaben von Schlicht gehören unter anderem der An- und Verkauf von Standorten sowie die strategische Steuerung der Gebäudebewirtschaftung. Letzteres ist für ihn ein Heimspiel: Studiert hat Schlicht Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Facility Management.

Das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens ist im wahrsten Sinne des Wortes kleinteilig. Was hat ein Facility Manager beim größten Schraubenhändler der Republik im Berufsalltag zu berücksichtigen?

Momentan zählt Würth über 400 Verkaufsniederlassungen in ganz Deutschland mit unterschiedlichen Anforderungen im Facility Management. Wir sind ein interner Dienstleister und wollen den Kollegen vor Ort optimale Arbeitsbedingungen schaffen, so dass sie sich auf das Kerngeschäft konzentrieren können. Ein guter Facility Manager zeichnet sich dadurch aus, dass man ihn gar nicht wahrnimmt – aber wenn man ihn braucht, dann ist er da.

Wie sieht aus Ihrer Sicht ein modernes Facility Management aus?

Nach meiner Ansicht müssen wir uns vom alten Drei-Säulen-Modell – kaufmännisch, infrastrukturell, technisch – lösen. Modernes Facility Management bedeutet für mich, den kompletten Lebenszyklus zu sehen. Dieser strategische Ansatz ist enorm wichtig. So kann ein Großteil der Kosten schon in der Planung vermieden oder beeinflusst werden. Vor diesem Hintergrund ist es zum Beispiel klug, uns Facility Manager frühzeitig in die Planung einzubinden.

Was sind die größten Missverständnisse in der öffentlichen Wahrnehmung des Berufszweiges?

Wir haben in der Branche oft das Problem, dass wir unterschätzt werden. Es gibt viele, die sich auf den Schlips getreten fühlen, wenn das Klischee des Hausmeisters wieder aufkommt. Ich sehe das aber entspannt. Ich bin so etwas wie das Chamäleon: Wenn ich mit unserem Finanzchef spreche, bin ich der Portfolio Manager; wenn ich vor Ort mit den Kollegen spreche, bin ich der Problemlöser; wenn ich über Renditen spreche, bin ich der Asset Manager. Mein Aufgabenbereich ist wunderbar interdisziplinär.

Wie Sie schon sagten, ist es eine Tragik des Berufsbildes, dass das Facility Management nicht wahrgenommen wird, wenn alles gut läuft. Nur wenn etwas schief läuft, dann rücken die Mitarbeiter in den Blickpunkt. Ist das nicht undankbar?

Ich bin ganz froh, wenn ich auch manchmal unter dem Radar fliegen kann. Es ist nicht immer gut, permanent im Fokus zu sein. Wir nehmen im Unternehmen eine Querschnittsfunktion ein, ähnlich wie die IT: Den Kollegen geht es nicht anders als uns. Da klatscht auch niemand Beifall, wenn alles läuft. Facility Management muss service-orientiert arbeiten. In unserem Job sollte man nicht das Bedürfnis haben, jeden Tag gelobt zu werden.

Welche Rolle wird die technische Gebäudebewirtschaftung in Zukunft spielen?

Die Relevanz wird weiter zunehmen – nicht zuletzt durch das Nachhaltigkeitsbewusstsein, das sich in den vergangenen Jahren geschärft hat. Es wird zum Beispiel in Zukunft noch mehr darum gehen, Energie bedarfsgerecht zu verteilen. Zudem gilt es die Gebäude energieeffizienter zu bewirtschaften und dezentral zu steuern. Da können wir unsere Stärken voll ausspielen.